Warum Apple mit iTunes Match alles richtig macht

Die Geschichte des Musik-Diebstahls
Mit dem Aufstieg des Internets begann vor mehr als zehn Jahren der Abstieg der Musikindustrie. Plötzlich tauchten urheberrechtlich geschützte Songs – später ganze Alben – in Foren und Seiten auf, sodass sie jedermann herunterladen konnte, ohne zu bezahlen. Es entstanden File-Sharing-Netzwerke und noch etwas später Filehoster und Webseiten, die Links zu den Dateien anboten.
2001 lancierte Apple den ersten iPod. Durch die enge Verzahnung mit der damals neuen Software iTunes und dem iTunes Store wurde ein grosser Gegenspieler geboren, der heute der grösste Musik-Verkäufer weltweit ist. Die Musikindustrie konnte aufatmen – Durch Benutzerfreundlichkeit, grossen Komfort beim Bezahlen und günstige Preise wurde der Dienst zu einer wahren Goldgrube und machte die Produzenten reich. Aber die von Apple angestrebte aggressive Preispolitik stiess anfänglich vielen Herstellern sauer auf – schlussendlich gab der Erfolg dem Technologiekonzern aus Cupertino dennoch recht.
Später kamen zum Angebot im iTunes Store Filme, Fernsehsendungen, Apps für iOS-Geräte und schlussendlich auch eBooks dazu. Besonders der alles übertreffende Erfolg des App Store beweist: Apple ist eine Firma – oder besser gesagt die Firma -, die es versteht, die User dazu zu bringen, für Inhalte zu bezahlen.
Doch das Problem des Herunterladens geschützter Werke – eine rechtliche Grauzone in der Schweiz – ist bis jetzt nicht gelöst. Die Motive dafür sind verschieden: Die Generation, die mit dem Internet aufgewachsen ist, sieht es als selbstverständlich, sich die Musik auf diesem Weg zu beschaffen. Andere sind der Ansicht, für den Künstler springe auch bei den Labels zu wenig Geld heraus und laden aus Überzeugung Musik zum Nulltarif herunter. Wieder andere können sich das Kaufen von Musik ganz einfach nicht leisten.

Ein Gewinn für alle Beteiligten
Obwohl iTunes Match in erster Linie dabei helfen soll, die ganze Musiksammlung in die Cloud zu verlagern, hatte Steve Jobs, der vor seinem Tod selbst noch an diesem Projekt beteiligt gewesen war, sicherlich auch einen anderen Hintergedanken. Die Frage, die er sich ziemlich sicher stellte, war: Wie kommt man an den Geldbeutel derjenigen, die Musik illegal herunterladen?
Was iTunes Match macht, ist eigentlich ziemlich simpel: Die Musikbilbiothek des Users wird durchgescannt und in die Cloud verlagert. Da iTunes die grösste Musiksammlung weltweit bietet, muss die Musik nicht wie bei anderen Diensten wie zum Beispiel Google Music zuerst hochgeladen werden. Im iTunes Store wird stattdessen einfach eine qualitativ hochwertige Originaldatei bereitsgestellt und für den Nutzer freigeschaltet. Diese kann er dann auf all seine Geräte streamen oder herunterladen – als hätte er sie gekauft. Dieser Service kostet in der Schweiz 35 Franken pro Jahr.
Beim Scannen der Mediathek der Nutzer geht iTunes Match ziemlich tolerant vor: 99% meiner Musik wurde sofort erkannt, auch solche, die ich nicht gekauft habe. Der Rest wird einfach hochgeladen. Apple wirbt damit, man könne so all seine Lieder in die Cloud befördern, auch wenn man sie woanders gekauft habe. Was natürlich nicht geschrieben wird ist aber, dass iTunes Match ausserdem fast alle Musik akzeptiert, die nicht legal erstanden wurde.
So kommt es zu einer Win-Win-Situation. Im Prinzip kann hier jeder, der nichts für Musik bezahlen will, seine Musiksammlung “legalisieren”. Für jeden freigeschaltenen Track in iTunes erhält nämlich der Künstler sowie das Label ein wenig Geld. Das wird zwar sehr wenig sein, ist aber besser als nichts. Die potentiellen Kunden werden damit gelockt, dass sie die Musik-Cloud nutzen können, qualitativ hochstehende Musik erhalten und dafür nur eine Jahresgebühr bezahlen müssen. Besonders die Qualität ist ein Grund dafür, die Gebühr hinzublättern: Wenig versierte Nutzer finden die illegalen Kopien im Internet meist nur in äusserst bescheidener Qualität.
Apple gelingt es also, auch bei den Nutzern, die eigentlich nichts bezahlen wollten, eine neue Geldquelle zu erschliessen. Eigentlich sollten die Angestellten in den Büros der Musiklabels drei mal täglich gegen Cupertino beten. Doch auch in diesem Fall mussten sie zu ihrem Glück gezwungen werden: Die Verhandlungen entpuppten sich als langwierig und hätten ohne die Überzeugungskraft des legendären Steve Jobs noch wesentlich länger gedauert.

So funktioniert iTunes Match
Der Dienst kann entweder über Kreditkarte oder mit dem persönlichen Guthaben aktiviert werden – der Betrag von 35 Franken wird sofort abgebucht. Dann muss man sich eigentlich um nichts mehr kümmern. iTunes Match macht seine Arbeit; bei grösseren Musiksammlungen sollte man aber mehr als eine Stunde einrechnen. Dies stört aber nicht weiter, da der Dienst im Hintergrund läuft und man sogar weiter Musik hören kann. Ist der Scan-Prozess abgeschlossen, erscheint neben den Titeln der Status, wo es dann “erkannt” oder “übertragen” heisst. So erkennt man, welche Titel iTunes gefunden hat und welche nicht.
Im Prinzip kann man dann die ganze Bibliothek in den Papierkorb verschieben, da die Songs nun in der Cloud sitzen – So kann eine Menge Speicherplatz gespart werden. Man hat aber die Option, sämtliche Lieder herunterzuladen, falls man unterwegs etwas davon hören möchte und kein Daten-Abo besitzt. Das Löschen hat auch den Vorteil, dass man so die qualitativ hochwertigen iTunes-Dateien geniessen kann – denn sonst greift iTunes einfach weiterhin auf die alten Dateien zu. Hat man alles gelöscht, erscheint neben allen Titeln ein kleines Wolken-Symbol.
Nun muss man nur noch auf allfälligen weiteren Apple-Geräten den Dienst aktivieren. Beim iPhone oder iPod Touch geht das via Einstellungen > Musik, wo man einen kleinen Schalter findet. Auch hier empfiehlt sich eine Löschung. Man kann die Musik von nun an streamen (und gleichzeitig wird der Stream gespeichert, man muss also kein Stück zweimal streamen) oder zuhause im WLAN-Netz die Favoriten herunterladen. So geht man nicht nur mit dem knappen mobilen Speicher ökonomischer um; auch das Synchronisieren per Kabel entfällt somit komplett.

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Über Bond13

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Eine Antwort zu Warum Apple mit iTunes Match alles richtig macht

  1. ID101010 schreibt:

    Mich würde interessieren in welcher Qualität die äquivalenten Titel aus der Applesammlung vorliegen. In Anbetracht dessen, dass qualitativ wirklich hochwertige Musik aus meiner Sicht relativ viel Speicherplatz beansprucht, geht das Streamingkonzept für unterwegs wohl nicht mehr ganz auf. Reden wir hier zum Beispiel von einem kompletten Album welches im Free Lossless Audio Codec [http://de.wikipedia.org/wiki/FLAC] codiert wurde, wird die 1GB Grenze vergleichsweise schnell überschritten. Preislich gesehen ist die Apple Cloud im Vergleich zu anderen Streamingangeboten eher günstig, was den Dienst attraktiv macht.
    Bleibt die Frage ob hier nicht ein weiteres Monopol geschaffen wird, in welchem frei nach den Wünschen von Apple Titel zensiert oder entfernt werden können.

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